14.12.2008

Eine weihnachtliche Kurzgeschichte


Christmas Sucks!

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Die Menschen beginnen in dieser Zeit großzügig zu sein, Geschenke zu machen usw.
Angefangen mit diesen Traditionen hat der Weihnachtsmann… oder Coca-Cola, die Gemüter streiten sich da noch.
Der Nikolaus ist Vorbild für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt.
Doch was wäre, wenn der Weihnachtsmann auf einmal Winterdepressionen bekäme?

Nikolaus saß zu Hause am Nordpol und sah ziemlich finster aus. Warum zum Geier machte er diesen langweiligen, undankbaren Job?
Das ganze Jahr über arbeitete man in dieser hellen Werkstatt und bastelte Geschenke für Kinder die ihn andauernd anlogen.
„ Na, bist Du auch brav gewesen?“
„Aber natürlich, lieber Nikolaus.“
Von wegen! In Wirklichkeit hat er Katzen gequält und die Slips seiner Mutter verkauft!
Und sowas nannte sich nun „Weihnachtsgeist“. Wenn das der Weihnachtsgeist war, wollte er lieber Zuhälter sein.
Als er da also saß, und ziemlich betrübt dreinblickte, kam seine Frau herein und sagte: „Schätzchen, du musst langsam die Spielsachen einpacken, es ist an der Zeit.“
Doch Nikolaus brummte: „ Einen Dreck tu´ ich! Die können sich ihre Geschenke sonst wohin stecken. Ich habe keine Lust mehr. Das geht mir, im wahrsten Sinn des Wortes, auf den Sack!“
„Sag´ doch sowas nicht“, erwiderte Frau Nikolaus, „die Menschen brauchen dich. Es gibt sonst nichts mehr, was sie wenigstens einmal im Jahr ihre Sorgen vergessen lässt.“
„Und wer kümmert sich um meine Sorgen? Das Christkind? Das ist doch nur damit beschäftigt, mir in Europa den Arbeitsplatz wegzunehmen, diese Ratte!“
Nikolaus öffnete sich eine Flasche Bier, trank es auf Ex aus, und rülpste weihnachtlich seine Frau an.
„Ich verstehe nicht warum du so schlecht gelaunt bist.“ sagte Frau Nikolaus. „Dir hat die Arbeit doch immer Spaß gemacht. Wieso erfüllt sie dich nicht mehr?“
„Weil mir das langsam zu langweilig wird. Ich würde gerne einmal mein Image wechseln. Anstatt Rentiere vor den Schlitten zu spannen, würde ich lieber mal gern ein paar Masochisten mit der Peitsche bearbeiten. Und dann ständig dieser ekelhafte rote Anzug. Das ist veraltet und öde. Ich komm mir schon vor wie eine benutzte Monatsbinde! Lieber würde ich gerne mal was Gelbes anziehen. Und dann dieses HO HO HO-gerufe. Das nervt! Wieso darf ich nicht YEAH! YEAH! MOTHERFUCKER, YEAH! rufen? Das wäre doch viel zeitgemäßer!“
Er stand auf, kratzte sich im Schritt und sagte dann: „Ich kündige! Die sollen sich ihre Geschenke bei Karstadt kaufen, da gibt´s wenigstens Payback! Wenn die Menschen einen auf arbeitslos machen dürfen, darf ich das auch.“
Frau Nikolaus sah ziemlich ratlos aus. Noch nie hat sie ihren Mann so boshaft gesehen. Sie überlegte kurz und sagte dann sarkastisch:
„Und was willst du stattdessen machen? Willst du dich vielleicht als Osterhase bewerben? Oder als Mickey Mouse?“
„Erstmal werde ich umziehen. Ich finde es am Nordpol zu kalt. Vielleicht ziehe ich nach Jamaika. Da ist es schön warm und ich kann endlich mal Marihuana versuchen. Das ist besser als ständig heimlich Lebkuchen zu rauchen.“ Nikolaus sah nun ziemlich zufrieden aus.
„Ja aber, wovon willst du denn leben?“ fragte sie entsetzt.
„Ich werde Arbeitslosengeld beantragen. Oder ich überfalle ein Weihnachtsgeschäft. Irgendwie werde ich es schon schaffen.“
Sie war einem Nervenzusammenbruch nahe. „Und wer soll deinen Job übernehmen? Willst du etwa ein Inserat in die Zeitung setzen? Suche Nachfolger der auf die Farbe Rot steht´?“
Verzweifelt sah sie ihren Mann an. „Und was ist mit mir? Was soll ich denn jetzt machen?“
Ehemaliger Nikolaus sah sie an, lächelte süffisant und sagte dann: „Ich will die Scheidung!“
Sie bekam einen Nervenzusammenbruch und sperrte sich in der Toilette ein, wo sie eine Zeit lang über die Farbe Rot und Rasierklingen nachdachte.
Nick, so wollte er sich jetzt nennen, packte seine Sachen und ging zur Tür. Als er sie öffnete, drehte er sich in Richtung Badezimmertür, lächelte noch einmal und brüllte: „HO! HO! HO!“
Und so kam es, dass der Weihnachtsmann ein krimineller, Marihuana-rauchender alter Mann wurde. Die Menschen vergaßen ihn und kauften ihre Geschenke fortan bei Karstadt.