22.09.2010

Kleiderbasar: Die moderne Kunst des Krieges



Am Wochenende war ich mit meiner Freundin und ihrer Tochter auf einem Kleiderbasar in Obernburg. Das ist so etwas wie ein Second-Hand-Flohmarkt für Kindersachen.
Schon beim Eintreten der umfunktionierten Sporthalle war eine Sache klar: Entspanntes Shoppen ist das nicht! Bevor ich mich mit den Widrigkeiten auseinandersetzen konnte suchte meine Freundin die Örtlichkeiten auf. Vor dem Eingang gab es Stühle und ich beschloss mich auf einem niederzulassen. Es dauerte nicht lang, da stand eine Frau neben mir, sah mich angewidert an und teilte mir mit:
„Sind sie eine Klofrau? Die Stühle sind für die Klofrau!“ Da es hier offensichtlich keine Klofrau gab, und ich mich auch nicht wirklich berufen fühlte, sah ich die Geschädigte hilflos an und entgegnete:
„Ich warte nur auf jemand, die kommt bestimmt gleich wieder raus.“ Sie sah mich weiterhin angewidert an und meinte dann ebenso hilflos wie verängstigt, dass ich sitzen bleiben könne. In Obernburg scheint es eine fruchtbare Szene von langhaarigen und pädophilen Vergewaltigern zu geben, anders kann ich mir dieses seltsame Gespräch nicht erklären. Und ich dachte Männer mit Glatzen seien die neue Bedrohung Deutschlands.
Nun gut, als meine Freundin aus der Toilette kam stürzten wir uns ins Getümmel. Da Vergewaltiger in Obernburg wohl nicht nur schänden sondern auch stehlen, hielt es die erwähnte Dame für notwendig mir jemanden hinterherzuschicken, der aufpasste, dass ich auch nichts mitgehen ließ (immerhin gab es hier ja auch gebrauchte Kinderunterwäsche, „Das Gold der Kleinen“ wie die Obernburger zu sagen pflegen).
Ich versuchte die „Detektivin“ zu ignorieren und verschaffte mir also verschiedene Eindrücke dieser Veranstaltung. Als erstes fielen mir die paar biederen Männer auf, die lustlos ihren Frauen und Kindern hinterher schlurften.  So musste sich Jesus gefühlt haben als er mit seinem Kreuz nach Golgatha wackelte.  Der Anblick der Väter ließ „Die Passion Christi“ wie einen Kinderfilm wirken. Erschreckend.
Doch das Schlimmste waren einige der Frauen dort. Mit einem eisernen Blick und der Bereitschaft für das beste Teil zu keifen und zu töten durchwühlten sie die Tische mit der Inbrunst eines Kriegstreibers. Taktiken, Strategien, alles wurde versucht. Der einzige Grund weshalb es nicht zu einem Massaker kam, waren die anwesenden Kinder. Gott segne die Kleinen.
Da ich nicht bieder bin und mich auch nicht langweilen wollte beschloss ich, mich an der Suche nach schönen Klamotten zu beteiligen. Und es machte Spaß. Sehr sogar. Etwas Angst bekam ich nur als mir Gedanken durch den Kopf gingen, wie ich der übergroßen Mama neben mir den ausgesprochen schönen Pullover aus der Hand reißen kann ohne dafür lebenslänglich zu bekommen.
Das nächste Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei, allerdings werde ich mir ein T-Shirt mit der Aufschrift „Keine Angst! Ich vergewaltige nur nachts!“  drucken lassen um die Klofrauen zu beruhigen…